"Illegalisierte" in Hamburg

Dass Menschen ohne Aufenthaltsrecht "Illegale"/"Illegalisierte" genannt werden, ist irreführend. Ein Wort, das gewöhnlich die Assoziationskette Kriminelle-Mafia-Schlepperbanden auslöst. "Das einzige, was sich die allermeisten von ihnen zuschulden kommen lassen, ist: hier zu sein," sagt Professor Christian Pfeiffer von der Kriminologischen Forschungsstelle Niedersachsen (zitiert nach MOPO vom 10.2.1997). In Frankreich heißen Menschen ohne Aufenthaltspapiere "Sans-papiers", in England "undocumented". Die UN sprechen von WanderarbeiterInnen, zu deren Schutz die Weltorganisation 1990 eine Konvention erlassen hat. Die Bundesrepublik hat sie nie unterzeichnet. Dabei leben nach neuesten Schätzungen der UN-Organisation ILO (International Labour Organisation) in Deutschland mittlerweile eine halbe Million Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Alleine in Hamburg sollen es über 50.000 sein.

"Illegalisierte" leben in einem menschenrechtlichen Niemandsland. Nur nicht auffallen, so gut wie unsichtbar sein. Trotzdem leben sie immer in der Angst vor der Entdeckung durch die Behörden und damit vor der Abschiebung.

Wer in dieser Schattenwelt lebt, ist recht- und schutzlos der Ausbeutung ausgeliefert. Wohnungsvermieter verlangen von "Illegalisierten" oft horrende Wuchermieten - gewissermaßen als Schweigegeld. Für vier, fünf Mark die Stunde leisten sie Schwerstarbeit in Restaurantküchen, auf dem Bau, als Putzhilfen oder auf Autoschrottplätzen. Nicht selten wird ihnen nach getaner Arbeit der Lohn verweigert oder ein Tipp an die Polizei weitergegeben. In unserem Wirtschaftssystem sind diese Billigst-Arbeitskräfte fest mit eingeplant. Bei Verletzungen und Krankheiten können sie nicht einfach zum nächsten Arzt gehen. Notdürftige Selbsthilfe muß die fachkundige Behandlung ersetzen.

Mittlerweile gibt es in der Bundesrepublik ein dichtes Netz von Gruppen, Privatpersonen und Wohlfahrtsorganisationen, die solchen Menschen helfen. Zumindest die größte Not versuchen verschiedene Einrichtungen in Hamburg zu lindern. Suppenküchen und Obdachlosenunterkünfte gehören zu den festen Adressen im heimlichen Informationsnetz der "Illegalisierten". Seit einigen Jahren vermitteln ehrenamtliche HelferInnen einmal wöchentlich "Illegalisierte" an niedergelassene ÄrztInnen, die bereit sind, im Notfall zu helfen, ohne Krankenschein und ohne Bezahlung. Auch Medikamente und im Ausnahmefall Krankenhausaufenthalte lassen sich so organisieren. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin. An menschenwürdigen Schlafplätzen und Wohnungen mangelt es jedoch im informellen Netz der Hilfe.

In Deutschland hat es, anders als gegenwärtig in Frankreich und Italien, noch nie eine Legalisierung der "Illegalisierten" gegeben. In Frankreich haben die "Sans-papiers", die "ohne Papiere" sind, ihr Schicksal selbst in die Hand genommen."Um endlich zu zeigen, dass wir da sind" (so die Sprecherin der Bewegung) wurden Kirchen besetzt und demonstriert. Das Thema der unkontrollierten Migration ist in Deutschland nach wie vor weitgehend tabu.

Mehr dazu auf der Seite des Diakonischen Werkes Hamburg

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